Ein Nationalpark, der noch keiner sein darf: Die Eifel schützt rund 110 Quadratkilometer Buchenwald, Bachtäler und eine ehemalige Truppenübungsfläche — und hat dreißig Jahre Zeit, daraus Wildnis werden zu lassen.
Der Nationalpark Eifel liegt in der Nordeifel in Nordrhein-Westfalen und umfasst ungefähr 11.000 Hektar, also 110 Quadratkilometer. Getragen wird er von der Nationalparkverwaltung Eifel, die zum Landesamt für Natur, Umwelt und Klima NRW gehört. Gegründet wurde er 2004 — als bislang einziger Nationalpark des bevölkerungsreichsten Bundeslands.
Er ist ein Entwicklungs-Nationalpark. Das heißt: Die Wildnis ist hier nicht der Ausgangszustand, sondern das Ziel. Dreißig Jahre hat der Park Zeit, mindestens drei Viertel seiner Fläche der Natur zu überlassen. Bis dahin wird dort eingegriffen, wo standortfremde Fichten den heimischen Laubwald verdrängen würden. Wer das weiß, liest den Wald anders: Kahle Flächen sind hier oft kein Schaden, sondern ein Rückbau.
Die Landschaft verbindet Buchen-Mischwälder mit Grünland, Bächen, Stillgewässern, Talsperren, Mooren und Felsen. Über ein Drittel aller heimischen Farn- und Blütenpflanzen kommt allein im Grünland vor, und etwa die Hälfte der Parkfläche steht zusätzlich unter FFH- oder Vogelschutz.
Die Dreiborner Hochfläche im Süden war bis Ende 2005 Truppenübungsplatz Vogelsang. Sie ist heute eine der offensten Flächen des Parks — und die einzige, auf der das Wegegebot nicht nur dem Naturschutz dient, sondern der Sicherheit: Abseits der Wege besteht Gefahr durch Munitionsreste.
Über der Urfttalsperre liegt Vogelsang, die frühere NS-Ordensburg. Dort sitzt heute das Nationalpark-Zentrum mit der Erlebnisausstellung „Wildnis(t)räume“. Ein Besuch führt damit unvermeidlich durch zwei Schichten: die des Naturschutzes und die der deutschen Geschichte.
Lebensräume im Nationalpark ↗