Deutschlands zweitgrößter Nationalpark — 3.450 Quadratkilometer zwischen dem Dollart und der Elbmündung.
Das Wattenmeer vor der niedersächsischen Nordseeküste steht seit 1986 als Nationalpark unter Schutz. Zweimal wurde er seither größer: 2001 auf rund 2.780 km², 2010 auf heute 3.450 km². Damit ist er der zweitgrößte deutsche Nationalpark, zugleich UNESCO-Biosphärenreservat und Teil des UNESCO-Weltnaturerbes Wattenmeer. Verwaltet wird er von der Nationalparkverwaltung in Wilhelmshaven.
Wo genau der Park anfängt, ist hier eine ungewöhnlich präzise Frage — und die Verwaltung beantwortet sie präzise: „An der Küste beginnt der Nationalpark am seewärtigen Deichfuß. Er umfasst das Wattenmeer einschließlich der Ostfriesischen Inseln (außerhalb der besiedelten Bereiche) und Meeresgebiete nördlich der Inseln.“ Anders als im schleswig-holsteinischen Wattenmeer, wo die Inseln komplett ausgenommen sind, gehören hier Dünen, Strände und Salzwiesen der Inseln dazu. Nur die Dörfer nicht.
Die Fläche ist zu 54,5 Prozent Wasser und zu 40 Prozent Watt; auf Festland und Inseln entfallen 191 km², also 5,5 Prozent. Gegliedert ist der Park in drei Zonen: die Ruhezone mit 2.368 km², ganzjährig nur auf zugelassenen Wegen zu betreten; die Zwischenzone mit 1.071 km², wo man auch abseits der Wege gehen darf, außer in den Salzwiesen-Brutgebieten vom 1. April bis 31. Juli; und die Erholungszone mit 17 km² — ein halbes Prozent, auf dem die Strandkörbe stehen.
Was das schützt, ist in Zahlen ungewöhnlich: über 10.000 Tier- und Pflanzenarten, mehr als 400 Vogelarten, rund 100 Fischarten, dazu Seehunde, Kegelrobben und Schweinswale. Für einige Arten trägt der Park die gesamte Verantwortung eines Bundeslands — 2018 brüteten Zwergseeschwalbe und Seeregenpfeifer in Niedersachsen ausschließlich hier.
Und doch ist es ein Park, in dem fast niemand wohnt: Auf den sieben bewohnten Inseln leben rund 17.000 Menschen, aber deren Orte sind ausgenommen. Die einzigen Menschen mit Wohnsitz innerhalb des Nationalparks sind fünf Naturschutzwart:innen auf den Vogelschutzinseln Memmert, Mellum und Minsener Oog. Dahinter, hinter dem Deich, leben knapp eine Million — und jährlich kommen etwa 20 Millionen Übernachtungs- und Tagesgäste dazu.
Nationalparkverwaltung Niedersächsisches Wattenmeer — Steckbrief ↗