Deutschlands einziger Flussauen-Nationalpark — und der einzige Brandenburgs.
Der Nationalpark Unteres Odertal zieht sich über 50 Kilometer am westlichen Ufer der Oder entlang, von Hohensaaten im Süden bis Staffelde im Norden. Er ist maximal fünf Kilometer breit und umfasst über 10.000 Hektar. Westlich davon liegt eine über 17.000 Hektar große Pufferzone als Landschaftsschutzgebiet. Der Potsdamer Landtag rief ihn 1995 mit dem brandenburgischen Nationalparkgesetz ins Leben; 2006 folgte eine Novelle.
Was ihn prägt, ist keine Wildnis, sondern eine Wasserbaukonstruktion: „Das Gebiet wird geprägt durch die sogenannten Polder, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts nach holländischem Vorbild für den Hochwasserschutz eingerichtet wurden, um dem Fluss bei hohen Wasserständen Raum zu geben.“ Im Winter sind diese Flächen geflutet, im Sommer werden sie als Wiesen genutzt. Der Park sieht im Januar anders aus als im Juli.
Für Vögel ist das ideal. „Rund 200.000 Wasservögel ziehen im Herbst und im Frühjahr durch die Oderniederung“; gezählt wurden bis zu 35.000 Blässgänse und 30.000 Saatgänse. Im Oktober suchen „bis zu 15.000 Kraniche im nördlichen Odertal ihre Schlafplätze auf“. Insgesamt wurden 284 Vogelarten beobachtet, 145 davon brüten hier — darunter der Wachtelkönig mit bis zu 200 rufenden Männchen, „eines der größten Brutvorkommen in Deutschland“.
Die Zonierung ist auf Zukunft angelegt: Das Gesetz schreibt Wildniszonen auf 50,1 Prozent der Fläche fest, „aus denen sich der Mensch perspektivisch zurückziehen wird“. An den steilen Talrändern liegen bereits heute Reste ursprünglicher Wälder wie der Gellmersdorfer Forst und der Gartzer Schrey, dazu Trockenrasen mit kontinentalen Steppenarten.
Eine Besonderheit ist die Nachbarschaft: „Das unmittelbare Nebeneinander von großen Industriebetrieben wie der PCK Raffinerie GmbH oder der Leipa-Papierfabrik und dem Nationalpark zählt zu den besonderen Merkmalen des Schutzgebietes.“ Und eine zweite: Der Park bildet „einen einheitlichen Naturraum mit der polnischen Seite des Unteren Odertals“ — die Kraniche, die man von Gartz aus sieht, schlafen drüben.
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