Im Harz stirbt gerade ein Wald — und genau das ist der Plan. Auf 24.732 Hektar wird beobachtet, was passiert, wenn man einen Fichtenforst sich selbst überlässt.
Der Nationalpark Harz erstreckt sich über 24.732 Hektar in Niedersachsen und Sachsen-Anhalt und umfasst damit etwa ein Zehntel des Harzes. Rund 97 Prozent der Fläche sind bewaldet. Der Park reicht von rund 230 Metern in den nördlichen Randzonen bis zum Brocken auf 1.141 Metern — dem höchsten Berg Norddeutschlands.
Er entstand zum 1. Januar 2006 aus der Fusion zweier Vorgänger: dem 1990 gegründeten Nationalpark Hochharz in Sachsen-Anhalt und dem 1994 gegründeten Nationalpark Harz in Niedersachsen. Die gemeinsame Verwaltung sitzt in Wernigerode, mit einer Außenstelle in Sankt Andreasberg.
Wer heute herkommt, sieht zuerst die toten Bäume. Seit 2018 hat der Park mehr als 11.600 Hektar Fichtenwald verloren; rund 90 Prozent des früheren Fichtenbestands sind abgestorben. Ursache waren Stürme, Trockenheit und in ihrer Folge die Borkenkäfer. Die Fichte war hier nie allein von Natur aus zu Hause — sie wurde für den Bergbau in Reinbeständen gepflanzt, und solche Bestände sind anfällig.
Die Parkverwaltung greift nicht ein, wo sie nicht muss: 70,1 Prozent der Fläche gehören zur Naturdynamikzone und bleiben sich selbst überlassen, Borkenkäfer werden nur mechanisch bekämpft, und das Totholz bleibt liegen. Nachgeholfen wird dort, wo der Laubwald ohne Starthilfe zu lange bräuchte — seit 2008 wurden rund 7 Millionen Laubbäume gepflanzt, überwiegend Buchen.
Daneben kommt die Natur von selbst zurück. Zwischen den grauen Stämmen wachsen Birke, Aspe, Eberesche und Salweide auf, in den Hochlagen auch wieder Fichten. Was aussieht wie eine Katastrophe, ist der schnellste Waldumbau, den Deutschland derzeit beobachten kann — und man kann ihm buchstäblich beim Wachsen zusehen.
Auch ein Tier ist zurück: Vor knapp 200 Jahren wurde der letzte frei lebende Luchs im Harz geschossen. Anfang 2000 startete hier das erste offizielle Wiederansiedlungsprojekt Deutschlands für die größte europäische Katze. Heute durchstreifen Luchse wieder den gesamten Harz.
Zahlen zum Waldverlust ↗