Deutschlands kleinster Nationalpark: 3.070 Hektar, davon ein Fünftel Ostsee — und ein Buchenwald, der an einer 118 Meter hohen Kreidewand abbricht.
Der Nationalpark Jasmund liegt im Nordosten Mecklenburg-Vorpommerns auf der Insel Rügen und ist mit 3.070 Hektar der kleinste der sechzehn deutschen Nationalparke. Etwa 20 Prozent davon sind Wasserflächen — der Park reicht in die Ostsee hinein. Getragen wird er vom Nationalparkamt Vorpommern.
Sein Kennzeichen sind die Kreidekliffs, die am Königsstuhl bis auf 118 Meter aufragen und nach Angabe der Verwaltung einzigartig in Deutschland sind. Die Kreide entstand aus den Schalen von Kleinstlebewesen eines Meeres der Kreidezeit; was heute als weiße Wand über der Ostsee steht, war einmal Meeresboden.
Diese Küste ist in Bewegung. Regelmäßig brechen Gesteinsbrocken aus der Kliffwand; die Wissower Klinken, eine der bekanntesten Formationen, stürzten 2005 teilweise ein. Deshalb gilt am Geröllstrand unterhalb der Felsen Lebensgefahr, und oben ist Abstand zur Kante keine Empfehlung, sondern eine Regel.
Hinter der Kante beginnt der Wald. Die alten Buchenbestände im Herzen des Parks wurden am 25. Juni 2011 auf 493 Hektar als UNESCO-Weltnaturerbe anerkannt — als Teil der alten Buchenwälder Europas, zu denen auch die Wälder des kroatischen Nationalparks Paklenica gehören. Zwischen den Buchen liegen Moore, Quellen und der Herthasee.
Bemerkenswert ist der Zuschnitt: Die Kernzone umfasst etwa 96 Prozent des Nationalparks. Kein anderer Park in diesem Atlas überlässt einen so großen Anteil seiner Fläche vollständig sich selbst — auf so kleinem Raum.
Steckbrief des Nationalparks ↗