Steile Selkirk-Flanken, feuchte Pazifikluft und bis zu zehn Meter Neuschnee pro Winter ergeben eine Landschaft, die auf sich selbst herabstürzt: Auf 40 Kilometern führt der Trans-Canada Highway unter 135 Lawinenbahnen hindurch.
Der Park schützt das Herz der Selkirk- und Purcell-Berge, der höchsten Ketten im Columbia-Gebirgssystem. Feuchte Pazifikluft regnet und schneit sich hier ab, bevor sie die Rocky Mountains erreicht. Unten wächst daraus der weltweit einzige Zedern-Regenwald im Landesinneren, oben liegt daraus bis zu zehn Meter Neuschnee. Zwischen Talboden und Grat liegen mehr als 2.000 Höhenmeter.
Genau diese Kombination macht den Verkehrskorridor gefährlich. Seit 1961 halten Parkverwaltung und kanadische Streitkräfte den Highway mit Artilleriefeuer frei — das größte mobile Lawinenkontrollprogramm der Welt. Lawinentechniker sammeln täglich Wetter- und Schneedaten an Studienplätzen am Rogers Pass (1.315 m) und am Mount Fidelity (1.905 m), graben bis zu fünf Meter tiefe Profilgruben und prüfen die Schneeschichten mit dem Rutschblocktest.
Reicht die Stabilität nicht, wird die Straße gesperrt und geschossen. Eingesetzt wird die 105-mm-Haubitze von 17 festen Stellungen aus, auf 270 voreingestellte Ziele; durch die Vorkalibrierung lässt sich auch nachts und bei dichtem Schneefall treffen. Bedient werden die Geschütze unter Leitung des leitenden Lawinenoffiziers von Parks Canada durch die Royal Canadian Horse Artillery — im Rahmen der Operation PALACI, für die von November bis April zwei Gruppen von je 15 bis 20 Artilleristen anrücken.
Wie viel daran hängt, zeigt ein einzelner Märzsturm: 271 abgefeuerte Granaten lösten 37 große Lawinen aus. Ohne diese Kontrolle wäre der Highway zwischen Revelstoke und Golden nach Schätzung von Parks Canada mehr als zwölf Tage blockiert gewesen. Jede Stunde Sperrung kostet die kanadische Wirtschaft über drei Millionen Dollar.
Ende April 2026 teilte das Militär mit, die 65 Jahre alte Vereinbarung nicht zu verlängern: Sie läuft am 17. August 2027 aus, begründet mit dem Ressourcendruck und der geplanten Ausmusterung der alten Artilleriesysteme. Der Winter 2026/27 ist damit der letzte mit Artillerieunterstützung. Wie es danach weitergeht, verhandeln Parks Canada und das Verteidigungsministerium noch.
Parks Canada: Lawinenkontrolle im Glacier-Nationalpark ↗